Schön dass sich hier einige so sicher sind, wie es das mit der nachlassenden Giftigkeit von Pfeilgiftfröschen (Dendrobatidae) in Gefangenschaft auf sich hat - hab ich wieder was gelernt - die Wissenschaft ist sich da nämlich noch nicht ganz so einig!Das Frösche das Gift zumindest teilweise aus aufgenommenen Grundbausteinen synthetisieren, ist die Hypothese von Daly und Myers, die eine ganze Reihe von Publikationen zu diesem Thema veroffentlicht haben. Danch nemen die Frösche über ihre Nahrung ('giftiger' Kleininsekten: Ameisen Termiten) die Vorstufen zu den Toxinen nicht die Toxine selber auf. Im Frosch werden dann diese Vorstufen in die eigentlichen Toxine umgewandelt, die dann in Drüsen in der Haut gespeichert werden.
Ein wesentlicher Artikel ist "Dietary source for skin alkaloids of poison frogs (Dendrobatidae)?" in J. Chem. Ecology 20 (1994) 943-955.
Wichtig ist hierbei das Fehlen oder sehr geringe Auftreten von bestimm
n Toxinen bei im Terrarium gehaltenen Tieren, die mit Fruchtfliegen gefüttert werden. Außerdem konnte Daly angeblich ein "Aufnahmesystem" für Alkaloide aus der Nahrung nachweisen (Daly et al. Toxikon 1994).
Ich kenne den Artikel selber nicht (interessiere mich für Pfeilgiftfrösche nur am Rande), aber soweit ich mitbekommen habe, konnten diese Vorläufer bis jetzt nicht in den Futterinsekten des Biotops nachgewiesen werden. Ich hab auch keine weiteren Infos darüber, weshalb die beiden Autoren die komplette Synthese durch den Frosch ausschliessen. Könnte mich bei Bedarf aber mal schlau machen.
Das an der Toxinproduktion exogene Faktoren aus dem natürlichen Biotop beteiligt sind, scheint bei der relativen Ungiftigkeit von Nachzuchten naheliegend. Neben der These, dass es mit dem Futter zusammenhängt gibt es auch Thesen, dass andere exogene Faktoren wie Bakterien daran beteiligt sind.
Daly und Myers wollen angelbich auch die weit verbreitete Annahme wiederlegt haben, dass die Toxin
antibakterielle oder antimykotische Aktivität haben. Wobei genau das eine der Hauptbegründungen war/ist, dass viele tropische Amphibien eine gifitge Haut haben: ihre dünne weiche Haut ist sehr empfindlich und sie leben in feucht warmen Gebieten, was eine optimale Umgebung für Bakterien und Pilze ist => die Toxine sollen sie u. a. davor schützen.
Dentrobatidae Gifte werden nebenbei von der Pharmaindustrie häufig dort eingesetzt, wo Antibiotika nicht mehr wirken - wenn man mitbekommt, wieviele Frösche dafür ihre Haut lassen müssen, wird mir schlecht. :-(
Wie gesagt, es gibt mehrere Thesen und Vermutungen zu dem Thema, weswegen ich mit Behauptungen es ist so nun nicht anderst etwas vorsichtig wäre!
Das Thema ist sicher noch nicht abgeschlossen, aber hat sehr interessante Aspekte der Synthese der Gifte bereits zu Tage befördert.
so long...
Martin