Hallo Micha,
hast Du Dendrobaten oder Phyllobaten?
Stimmt schon, dass sie im Terrarium an Toxizität verlieren, aber ganz so schnell geht es nun auch wieder nicht!
Nur aus der Natur entnomme Tiere haben die maximale Giftwirkung, wobei Jungtiere noch nicht die volle Toxizität erreichen und von manchen Predatoren auch gefressen werden. In Gefangenschaft reduziert sich die Toxizität der Tiere etwa auf die Hälfte der ursprünglichen, bei Nachzuchten aus Terrarien fehlt sie vollständig. Es ist daher wahrscheinlich, dasss an der Toxinproduktion exogene Faktoren aus dem natürlichen Biotop beteiligt sind. Es gibt Thesen, dass Bakterien daran beteiligt sind, oder dass es mit der Nahrung, primär Ameisen, zusammenhängt.
Die Funkion der durch die Amphibeinhaut produzierten Substanzen ist offensichtlich. Sie dienen der Abwehr gegen zweierlei Feinde unterschiedlichr Größe: kleine Mikroorganismen (durch Bilung eines antibiotischen Schleimfilms) und w
entlich größere Beutegreifer (Predatoren). Daher würde es mich interessieren, woher Du (Micha) die Infos mit der Symbiose(?) von Dendrobates spp. und Vogelspinnen hast. Ich hab zwar schon gehört von dem Zusammenleben Frosch/Spinne, kann mich aber in dem Zusammenhang nicht an Dendrobatiden erinnern.
Ach ja, die Toxinproduktion enstand bei verschiedenen Amphibiengruppen mehrmals unabhängig voneinander und führte zu ähnlichen, konvergenten Entwicklungen.
Allein in der Haut der Gattungen Dendrobates und Phyllobates (Dendrobatidae) wurden an die 200 verschiedene Alkaloide festgestellt, was die Dimension ihrer Produktion von biologisch aktiven Substanzen und das darin liegende Potential für die Pharmakologie eindrucksvoll unterstreicht.
Das berühmteste Amphibientoxin ist zweifellos dsa Batrachotoxin der Baumsteigerfrösche (Dendrobatidae), das neben Curare das bekannteste südamerikanische Pfeilgift ist. Hier ist anzumerken, dass Curare nicht wie in vielen Büchern zu lesen ist aus Pfei
iftfröschen gewonnen wird, sondern aus Pflanzen!
Die Indianer Mittel- und Südamerikas setzen ihre vergifteten Pfeile heute nur noch bei der Jagd gegen Tiere ein. Früher wurde dies tödliche und in den Händen der Indianer äußerst treffsichere Waffe auch bei kriegerischen Auseinandersetzungen verwendet - D***y, hast also Glück gehabt, dass wir hier im Forum nur mit digitalen Waffen aufeinander losgehen... =;o)
Das Batrachotoxin gehört zu den stärksten natürlichen, nicht eiweißartigen Giften überhaupt. Batrachotoxine sind neurotoxisch wirkende Steroid-Alkaloide, die auf die Natriumkanäle der erregbaren Membranen von Nerven- und Muskelzellen wirken. 0,00001 Gramm dieses Giftes kännen bereits einen mittelgroßen Mann töten, das Gift eines adulten Exemplars würde für die Tötung von 20.000 Labormäusen reichen. Neben dem Batrachotoxin sind bei Dendrobatiden zahlreiche weitere, weniger starke Wirkstoffe bekannt, so das Pumiliotoxin oder Histrionicotoxin.
Die Toxizität wird üblicherweise
it dem im experimentellen Tierversuch gewonnen LD50-Wert angegeben. Darunter versteht man die Dosis, bei der 50 Prozent der getesteten Tiere sterben, also die mittlere letale Dosis.
Dagegen sind unsere Vogelspinnen ja richtige Waisenkinder!
Schönen Gruss,
Martin